Am Samtag ist mein erster richtiger freier Tag. Daher entscheide ich mich auch etwas länger im Bett zu bleiben. Ich bin zwar nicht mehr müde, aber einfach nur im Bett zu liegen, ist natürlich auch mal schön und ja ganz üblich bei uns in Deutschland (wenn es die Umstände zulassen). In Nepal ist das aber undenkbar. Kein Nepali würde jemals einfach so im Bett liegenbleiben. Das ist auch der Grund, warum es gegen elf Uhr an meiner Tür klopft. "It is already so late and you did not leave the house. Is everything alright?", fragt Bikram mich und schaut mich besorgt an. Ich beruhige ihn und sage, dass ich von zu Hause aus etwas gearbeitet habe. Für den Samstag habe ich mir auch vorgenommen, meine Wäsche zu machen. Eigentlich übernehmen das ja auch die "Haushaltshilfen", aber Socken und Unterwäsche werden von ihnen nicht gewaschen. Das finde ich mehr als verständlich und es wäre mir fast schon unangenehm, wenn sie es von Hand waschen würden. Waschmaschinen gibt es in Nepal nicht. Und ich nehme an, das liegt in erster Linie nicht an den Anschaffungskosten, sondern an der mangelnden Stromversorgung. Na gut, ist ja kein Problem für mich. Daher koche ich Wasser auf und funktioniere die Badewanne zur Waschbütt (wie ist denn da der hochdeutsche Ausdruck für?) um. Danach hänge ich die Sachen in der Sonne auf, wo ich auf die beiden Kinder einer der Haushaltshilfen treffe. Auch an Weihnachten hatte ich sie schon gesehen. Der Sohn hatte sich einen "Merry Christmas" Papierhut gebastelt und sie kamen angerannt, um mir frohe Weihnachten zu wünschen. Sie sind ca. sechs und acht acht, neun Jahre alt und echt süß. In einem Supermarkt habe ich für sie so ein Seifenblasen-Zeugs gekauft, damit sie auch ein Weihachtsgeschenk bekämen und irgendwie hat es mir einfach gefehlt, Menschen zu beschenken. Freut euch auf nächstes Jahr - fällt doppelt so groß aus. Nachdem ich die Mutter gefragt habe, ob es in Ordnung sei, gebe ich Ihnen die Seifenblasen (eine Packung in rosa, eine in blau) und es ist schön zu sehen, dass sie sich freuen. Nur dumm von mir, dass auch eine integrierte Trillerpfeife dabei war. Die Eltern haben jetzt Grund mich zu hassen. Auch lustig zu sehen war, dass der Junge von seiner Schwester die pinke Packung aufgewzängt bekommen hat. Wenn das mal gut geht... Ein Junge, der Seifenblasen pustet, die sich in einer pinken Verpackung befinden. Naja, Nepal ist inzwischen sowas wie ein Vorreiter, was Homosexualität in Südindien angeht. Es gab sogar schon eine Art CSD. Hoffen wir das Beste für den kleinen Mann. Danach bin ich zum Basantapur Square gegangen und habe die Sonne genossen. Dies ist der zentrale Platz in der Altstadt Nepals, wo auch der ehemalige Sitz des Königs war. Dort stehen unzählige Tempelanlagen, Schreine, Gebetsstätten etc. An disesem Samstag war auch ein Fest der Newar, einer der größten Volksgruppen innerhalb Nepals. Besonders in Kathmandu haben sie Tradition, da sie ursprünglich das Kathmandutal besiedelt haben. Es war also viel los dort und es gab sogar kostenloses Essen, was ich an der laaaangen Schlange an dem Essensstand festmachen konnte. Da sind die Menschen wohl überall gleich. Lange Schlange = gibt was umsonst. Oder du bist im Phantasialand. Ich hole mir einen coffee to go (abgefahren, oder? Und ich schwöre, ich habe in Kathmandu noch vorher niemanden mit einem gesehen, aber "Himalyan Java", nepalesisches Starbucks, macht es möglich). Hier ist echt ein Paradies für Franchise Nehmer. Kein Mc´s, kein Starbucks. Wer von Selbstständigkeit träumt, komme nach Nepal. Unterwegs kaufe ich mir noch meine eigene Ausgabe des friday Magazins, das meinen Artikel enthält, (20 Rupien = 19 Cent) und spaziere nach Hause. Dort treffe ich Neera, die mir vorschlägt heute Abend mit ihnen gemeinsam Momo zu machen. Neera hat versprochen, mir einige nepalesische Gerichte beizubringen, damit ich meine Freunde zu Hause beeindrucken kann. Abends sitzen wir dann also zu dritt bei meinen Nachbarn zu Hause auf dem Küchenboden (bei Kerzenschein) und bereiten Momo auf Zeitungspapier zu. Für alle, die es nicht wissen: Momo, sind gedämpfte Teigtaschen, die mit Hackfleisch, Zwiebeln und einigen Gewürzen gefüllt sind und mit einer Art Tomatensauce gegessen werden. Gibt es überall und ist echt lecker. Das Meiste war schon vorbereitet als ich gekommen bin, also konnten wir uns direkt daran machen, die Momos zu füllen. Neera hat den Teig ausgerollt, ihr Mann hat das Fleisch portioniert und ich habe versucht die Momos zu füllen. Da ich ntürlich blutiger Anfänger bin, haben mir Neera und ihr Mann unter die Arme gegriffen. Es gibt nämlich ganz bestimmte Falttechniken, die man erst einmal beherrschen muss. Ganz ehrlich: Meine Momos sahen richtig erbärmlich aus. Aber ich habe mich gesteigert. Sie wurden für rund zehn Minuten gedämpft und waren dann verzehrfertig. Es war echt lecker. Der einzige Wehrmutstropfen war, dass meine Momos etwas aus der Reihe getanzt sind und eindeutig zuzuordnen waren: "Oh, I got a Christina Momo. It is falling into pieces...". Naja, noch habe ich ja Zeit zu üben.